Schülerzeitung am Hölty Gymnasium Wunstorf

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Und sie engagieren sich doch!

Warum soziales Engagement Jugendlichen viel bringt, aber als verpflichtendes Unterrichtsfach nicht taugt.

Gerade von älteren Mitmenschen bekommt man oft folgendes zu hören: Die Jugend von heute interessiere sich nicht mehr für ihre Umwelt. Soziales Engagement sterbe aus. Tatsächlich bezeichneten sich in der 15. Shell Studie nur 39% der Jugendlichen als „politisch interessiert“. Das scheint zunächst schockierend, doch gibt es viele Gründe, warum sich nicht jeder in seiner Freizeit um sein Umfeld kümmern will. Es kostet Zeit, die man für wichtigere Aktivitäten wie Hausaufgaben braucht. Wer braucht schon ein sinnvolles Hobby? Niemand würde sich ganze Nachmittage mit sinnfreien YouTube Videos, Serien oder Videospielen beschäftigen, besonders Jugendliche nicht. Viele haben verständlicher Weise einfach keine Lust sich nach der Schule noch mit anderen Menschen zu befassen. Trotz dieser bestechenden Argumente engagieren sich immer noch viele Jugendliche sozial. Wie aus einer Studie hervorgeht, hat ihre Anzahl sogar leicht zugenommen.

Für viele Einrichtungen und Vereine ist das sehr wichtig und auch für die Jugendlichen selbst hat es viele positive Effekte. Für den amerikanischen Entwicklungspsychologen Richard Lerner ist es ausschlaggebend, dass von sozial engagierten Schülern bessere schulische Leistungen erbracht werden. Wer Gutes tut, ist auch gut in der Schule“, so Lerner. Soziales Engagement, eine sinvolle Tätigkeit, die der Gemeinschaft nützte und die Persönlichkeitsenwicklung fördere. Aufgrund dieser Annahme ist die Verbindung der Komponenten soziales Engagement und Schule nur logisch. Das Ergebnis: Service Learning. Man zwingt Schüler Gelerntes in Form von sozialem Engagement anzuwenden. Das kann die Betreuung von Kindern oder Senioren oder die Planung von Projekten sein.

Und das scheint ja auf den ersten Blick auch erst mal gut zu funktionieren. Wenn man Jugendliche fragt, warum sie sich freiwillig engagieren, sagen sie: Es macht Spaß, man findet Freunde und lernt, Verantwortung zu übernehmen. Das Erwerben von sozialer Kompetenz und eine Persönlichkeitsentwicklung sind eher ein Nebeneffekt, sozusagen Lernen durch Spaß. Deshalb sollte man freiwilliges soziales Engagement von Jugendlichen auf jeden Fall unterstützen.

Der Haken bei Service Learning: Dieser positive Effekt kommt leider nicht zum tragen, wenn das Engagement nicht mehr auf freiwilliger Basis geschieht. Dass sich im Rahmen von Service Learning auch Schüler, die sich überhaupt nicht für den Job interessieren oder sozial inkompetent sind, sozial engagieren müssen, um gute Noten zu bekommen, kommt Leuten wie Lerner gar nicht in den Sinn. Diese Jugendlichen würden sich nie freiwillig engagieren. Wenn man sie dazu zwingt, leiden entweder die Schüler selbst oder der Zweck des Engagements, weil die Schüler keinen Spaß an der Tätigkeit haben. Beide würden den viel gepriesenen positiven Effekt nicht spüren. Wenn man den Spaßfaktor enfernt, bleibt auch seine Nebeneffekte also die hifreiche Arbeit für die Gemeinschaft und die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen aus. Und nicht nur das. Schüler, die unbezahlte Arbeit erledigen müssen, die sie nicht freiwillig tun, werden als Ersatz für bezahlte Arbeitskräfte oder Ehrenamtliche missbraucht. Will man das wirklich?

Freiwilliges soziales Engagement ist eine gute Sache und wird aufgrund des Spaßfaktors sicher nicht aussterben. Es allerdings Jugendlichen aufzuzwingen nützt weder diesen noch der Gemeinschaft. Deshalb halte ich Service Learning als Unterrichtsmethode für absolut ungeeignet.

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