Schülerzeitung am Hölty Gymnasium Wunstorf

Filme

Wage es, zu träumen! Aber bleib auf dem Boden – La La Land Rezension

Ob geneigter Musicalenthusiast oder durch gute Kritiken interessierter Gelegenheitskinogänger, jeder geht mit hohen Erwartungen in diesen Film. Er ist seit Januar von Filmpreisverleihungen nicht mehr wegzudenken und hat bei den Oscarnominierungen mit Klassikern wie “Alles über Eva” und “Titanic” gleichgezogen. Mit einer dementsprechend hohen Erwartungeshaltung betrat ich das kleine gut gefüllte Kino, das als eines der Ersten in der Umgebung den Film zeigte. Ich fragte mich: Ist dieser Hype gerechtfertigt? Zwei Stunden später verließ ich selbiges Kino berührt, begeistert, wenn auch ein wenig irritiert. Worin diese Irritation bestand? Der Film ist erschreckend realistisch. Hier ist die Erklärung, wie es La La Land geschafft hat, mich trotz euphorischer Kritiken nicht zu enttäuschen.

Um von vorne zu beginnen: In La La Land geht es um die hoffnungsvolle Schauspielerin Mia (Emma Stone), die in Los Angeles von Casting zu Casting hetzt ohne dort jemals über die ersten Sätze hinauszukommen. Auf einer schicken Poolparty in den Hügeln Hollywoods trifft sie auf Sebastian (Ryan Gosling), einen erfolglosen Jazz Pianisten, der davon träumt einen eigenen Jazz-Club zu gründen. Bald tanzen die beiden vor der Skyline LA s in den Sonnenuntergang, hören zusammen Jazz auf Vinyl und besuchen Arthouse Filme in einem nostalgisch kleinen Kino. Doch diese cinematographisch und musikalisch wunderschön dargestellte Romanze, die zugegeben an Kitsch grenzt, ist eben noch nicht alles was La La Land zu bieten hat. Der zweite Teil des Films konzentriert sich vor allem auf Mias und Sebastians Träume, Schauspielerin zu werden beziehungsweise einen Jazz-Club zu gründen. Sie schreibt ein eigenes Stück, eine One-Women-Show, die floppt. Er geht als Keyborder einer Jazz-Band auf Tour, mit deren moderner Einstellung er nicht einverstanden ist. Die finanzielle Sicherheit, die das langjährige Touren mit sich bringt, ist ihm jedoch wichtiger als sein Club und seine Ideale. Sie leben sich auseinander. Mia bekommt ein Angebot für eine Hauptrolle in Paris. Sie nimmt an. Obwohl beide noch Gefühle füreinander haben, zerbricht ihre Beziehung an den Träumen, die sie einst verbanden.

Der Film endet melancholisch, eben nicht wie der romantische Anfang vermuten lässt. Ein Film, der wohlweislich alte Hollywood Filme und Musicals zitiert, der auf Nostalgie setzt, ein Film über den gesagt wird: Solche Filme macht doch heute keiner mehr. So ein Film bricht mit dem Happy End Klischee und erfindet Kino eben doch neu. La La Land schaft es verträumt, romantisch und gleichzeitig realistisch zu sein. Der Film ermutig zum Träumen (“Here’s to the fools who dream”), indem er zwei Menschen begleitet, wie es in LA und überall auf der Welt viele gibt. Menschen, die hoffen, hart arbeiten und nach großen Dingen streben. Der amerikanische Traum kann funktionieren. Was aber an La La Land besticht: Die andere Seite der Medaille wird nicht außer Acht gelassen. Erfolg erfordert Opfer. Sebastian muss einen Job annehmen, der ihm nicht zusagt, die Beziehung mit Mia zerbricht. Außerdem wird gezeigt, dass das eigene Glück nicht zwangsläufig von einem Partner abhängt. Sie kriegen sich nicht und sind am Ende trotzdem zufrieden, wobei natürlich ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Wer Großes erreichen will, muss mit den Konsequenzen leben. Das ist die Message von La La Land. Wage es zu träumen, aber bleib auf dem Boden.

Auch technisch gesehen bleibt der Regisseur Damien Chazelle dieser Einstellung treu. Die Bilder, Kostüme und Kameraführung, sowie die kaum geschnittenen Choreographien sind eine Hommage an alte Filme. Der Look ist sehr bunt, wie für Musical typisch. Der Soundtrack von John Hurwitz ist eingängig und berührend und passt allgemein wunderbar zum Film. Man kann ihn sich immer wieder anhören und es ist von Soul-Pop über kleine Jazz Klaviereinlagen bis zu großen Musicalnummern mit Chor alles dabei.

Sowohl Stärke als auch Schwäche von La La Land sind die beiden Hauptdarsteller, Emma Stone und Ryan Gosling. Einerseits verkörpern sie Mia und Sebastian so glaubwürdig, wie es kaum jemand anderes könnte und man glaubt ihnen ihre Leidenschaft für die Kunst. Andererseits sind die Tanz und Gesangsparts der beiden eher schwach, was für ein Musical natürlich ein erheblicher Nachteil ist. Sie singen teilweise zu leise und hauchig. Diese Teile hätte man mit professionellen Sängern besetzen können. Andererseits haben die schwachen Gesangs- und Tanzeinlagen auch einen gewissen Charme, da sie die Figuren greifbarer machen. Der wirkt Film so nie perfekt, sondern verletzlich und lebensnah. Außerdem ist La La Land kein typisches Musical, da ein starker Fokus auf den Dialogszenen liegt und die Musik im Laufe des Films immer weniger musicaltypisch wird. Ein Grund für den Erfolg des Films ist sicherlich auch, dass er auch Leuten gefallen dürfte, die sich sonst nicht für Musical begeistern können. Ich empfehle ihn deshalb allen mit Interesse am Film, an Jazz, an romantischen Musicals und vor allem allen Träumern.

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